Montag, 5. Dezember 2011

Türchen 5

Das Buch – ein überholtes Medium im Zeitalter der technischen Möglichkeiten?!

So oder so ähnlich hört man es immer häufiger von allen möglichen Leuten. „Unterschätzt die Präsenz von virtuellen Datenbanken nicht“ sagte einmal eine Dozentin im Studium zu mir. „Habt ihr im letzten Jahr überhaupt noch ein Buch in der Hand gehabt, das ihr nur zum Vergnügen gelesen habt? Und habt ihr es fertig gelesen?“ fragte eine Lehrerin vor zwei Wochen meine Berufsschulklasse. Ich war kurz davor zu schreien!
Wieso sollte das Medium Buch verschwinden, wo es doch so unglaubliches Potenzial besitzt um uns alle zu verzaubern? Woher kommt es, dass immer mehr Jugendliche lieber Blogs im Internet lesen als sich ein gutes Buch zur Hand zu nehmen? Oder stimmt das alles vielleicht gar nicht? Sind all diese Artikel über den leisen Rückzug der Bücher aus dem Alltag der Menschen vielleicht nur ein kluger Schachzug des Internets?

Ich persönlich finde nichts erholsamer als einen faulen Tag mit einem Buch zu machen. Wo ist dabei absolute Nebensache. Am Strand, im Park, im Zug, in der Badewanne... egal wo ich mein Buch aufschlage, wenn es gut ist, vergesse ich die Welt um mich herum vollkommen. Das kann sogar so weit gehen, dass ich fast vergesse aus dem Zug auszusteigen wenn meine Haltestelle angesagt wird.
Bin ich eine Rarität? Ich glaube nicht. Im Zug sehe ich immer häufiger wieder Menschen wie mich: kaum hat man sich einen Sitzplatz ergattert, wird auch schon das Buch aus der (Hand-)Tasche gezogen und gelesen. Reiner Zeitvertreib? Auch hier muss ich sagen: ich glaube nicht. Die Menschen, die ich in den letzten Wochen beobachtet habe, schienen nichts mehr um sich herum wahrzunehmen, außer den Buchstaben vor ihren Augen... nun gut, und den Schaffner, der ihnen ungeduldig auf die Schulter klopft, aber der ist vernachlässigbar.

Um auf meine Lehrerin und meine Entrüstung zurückzukommen... wir hatten eine sehr angeregte Diskussion darüber, ob Bücher heutzutage noch „in“ sind oder ob ich nur eine Ausnahme darstelle. Woher kommt diese Leidenschaft für Bücher? Für das Lesen?
Spielt unsere Erziehung dabei eine Rolle oder ist das eben eine Sache der Persönlichkeit? Wenn ihr mich fragt, ist es beides. Meine Mutter liest genau so gerne wie ich. Mein Vater hat früher auch viel gelesen, aber heutzutage ist es selten ihn mit einem Buch zu sehen (obwohl er im selben Sommer wie ich – in der gleichen Zeit übrigens – die Herr der Ringe-Trilogie gelesen hat... ein höchst interessanter Anblick war das, sage ich euch!). Meine Geschwister allerdings... nun die haben das Lesen fast gänzlich aus ihrem Leben gestrichen. Einer meiner Brüder las früher viele Krimis und auch heute schaut er noch ab und an in ein Buch, aber eben nur noch sehr selten. Der andere hat das Lesen immer gehasst. Außer als ich ihm dann vor zwei Jahren ein Buch zu Weihnachten geschenkt habe, dass er noch am selben Abend durch hatte: eine Sammlung von Artikeln geschrieben von Harald Schmidt.
Ich muss wohl kaum erwähnen, dass meine ganze Familie ihn danach wochenlang angestarrt hat, als wäre er ein Alien. Oder schlimmer noch: ein bibliophiler Mensch.*

Was wäre wenn wir jedem Menschen das für ihn passende Buch schenken würden? Würden diese zahlreichen, unglaublich tollen Bücher etwa nie gelesen werden? Glaubt man der Theorie über den Rückgang der Lesebereitschaft, es müsse über die Jahre wohl genau das eintreten.
Ich plädiere dagegen!

Die Neugier des Menschen ist eine interessante Sache und ich denke, dass diese die Faulheit überwinden würde. Und wenn jemand es schafft, einem lesefaulen Menschen immer genau die richtigen Bücher zu Verfügung zu stellen... man sollte meinen, es würde sie zu einer Person werden lassen, die sehr gerne liest.
Meine Mutter hat das bei mir sehr erfolgreich gemacht: Zu jedem Geburtstag (von dem Moment an, ab dem ich lesen konnte) und zu jedem Weihnachtsfest bekam ich mindestens ein Buch. Ich erinnere mich nicht mehr daran, an irgendeinem dieser Ereignisse über die Jahre einmal kein Buch bekommen zu haben.
Oft sogar gleich mehrere.
Der Himmel auf Erden für mein kleines Sammlerherz!

Und weil ich weiß, welche Freude mir ein gutes Buch bereiten kann, verschenke ich auch gerne Bücher. Nur muss es eben das Richtige sein. Und um das zu finden, suche ich manchmal wochenlang.
Eine Freundin bekommt ein Buch... mein Freund bekommt ein Buch... mein Vater bekam mehr als einmal ein Buch geschenkt... sogar mein Bücher-verabscheuender Bruder bekam ein Buch! Und er hat es gelesen!

Ist Bücher schenken bei euch auch noch so aktuell wie bei mir oder stelle ich tatsächlich eine Ausnahme dar? Schreibt mir was ihr zu dem Thema denkt – egal ob pro, contra oder neutral. Ich freue mich auf eure Beiträge.

Snowhoney – die Buchsammlerin



* (= Der Ausdruck Bibliophilie [von bíblion „Buch“ und philos „Freund“, „Liebe zum Buch“], bezeichnet allgemein das Sammeln von schönen, seltenen oder historisch wertvollen Büchern, meist durch Privatpersonen zum Aufbau einer Privatbibliothek nach bestimmten Sammelkriterien.)


Herzliche Grüße und einen wunderschönen 5. Dezember wünschen euch,
Munderoon & Snowhoney

1 Kommentar:

  1. Da kann ich dir nur zustimmen! Ich habe ehrlich gesagt lieber ein richtiges Buch als ein eBoook oder Blogs. Es ist einfach das Gefühl, diese Welt ganz leicht durch das Leben tragen zu können. Außerdem ist die wahrscheinlichkeit, dass ein eBookreader, ein Laptop oder ein TabletPC höher, dass jemand diese Sachen klaut. An Büchern haben nur die echten Liebhaber Interesse.

    Ich ♥ Bücher und Ich ♥ Weihnachten :D

    AntwortenLöschen